Noch nicht in Urlaub gefahren? Noch nicht den vielen „Sale“-Angeboten erlegen und Neues in die Schränke und Schubladen gestopft? Sich fürs Aussortieren entschieden? Alles in Tüten zur nächsten „Kleiderkammer“ oder zu Oxfam gebracht, wo mit dem Erlös Entwicklungsprojekte finanziert werden? Erinnerungen an Mitbringsel von früheren Reisen wie ein knallrotes Keramikpferd aus einer Töpferei im Allgäu, das meine Pubertät nicht überstand. Oder das kleine Segelboot zur Erinnerung an Ischia, das wegmusste, weil drunter klein als Produktionsort die VR China eingeprägt war.
Aber die T-Shirts! Sie haben mehrere Leben: hierzulande ausgemusterte schmücken in vielen Urlaubsregionen Kinder oder Erwachsene, die aus Second-Kleidungshaufen auf dem einheimischen Markt aussuchen, was für sie erschwinglich ist. So wird dann an fernen Stränden Werbung für den FC Köln, für 4711 oder eine Seilbahn in den Alpen gemacht.
Als Souvenirs sind T-Shirts erste Wahl: leicht zu transportieren- als Kind ist mal eine Rotweinflasche für die Großeltern im Koffer zerbrochen. Das ganze Jahr zu nutzen – wobei so manches Teil nur die ersten Monate als stolzer Hinweis auf den Urlaubsort oder den sportlichen Erfolg vom Segeln bis zum Marathon zur Schau gestellt wird. Um dann doch lieber verborgen unter Pullovern oder Jacken weitergetragen zu werden. Nach den Terroranschlägen vom 11.9.2001 in den USA kaufte gefühlt jeder Tourist ein „FBI“-T-Shirt. Eine Rarität war dagegen 2004 das Benefiz-Shirt einer Hilfsorganisation der New Yorker Feuerwehr, gekauft auf einer Marathon-Messe und dann wegen der Farbe (pink) doch zuhause zum Schlaf-Shirt degradiert.

Nicht zu vergessen die Geschichten: wie auf der kleinen Kanaren-Insel La Gomera zwei eingewanderte Frauen Zeichnungen des einheimischen Geckos auf T-Shirts druckten. Was den französischen Modekonzern Lacoste, der mit dem Krokodil, auf die Palme brachte. Das spanische Patentamt wies die Klage ab und nun ist der Gecko selbst eingetragenes Markenzeichen. Oder wie der Wunsch eines Kollegen, der Trikots kleiner Vereine sammelt, mich in einen „General Store“ in Brasilien führte. Es war Winter, die Badekleidung wartete in Pappkartons auf ihre Saison, aber es gab Abendkleider und das aktuelle Shirt des Fußballvereins von Blumenau. „Paal 17“ als Aufdruck ist so etwas wie ein Geheim-Code, der Hinweis auf eines der Strand-Restaurants auf Texel.

Weltweit scheint die T-Shirt-Verbindung zu funktionieren. Gestern habe ich das oben abgebildete in unserer Straße fotografiert. Es trug ein dünner, mittelalter Mann, der von Hitze, Arbeit und akutem Liebeskummer völlig erschöpft auf dem Mäuerchen saß und mit dem ich nach einem Glas Wasser ins Gespräch kam. Er war um das Jahr 2000 aus Kasachstan als Spätaussiedler gekommen, sein Alltag schwer, aber er freute sich über die Neugierde unseres Hundes, der sich ausgiebig streicheln ließ. Wieso er das T-Shirt mit dem New-York-Foto und dem Satz über Nachbarschaft trug? Es sollte für seine Freundin sein, die es nicht wollte. Er war noch niemals in New York. CB
Nachdem ich von einem guten Freund auf Deinen Blog, liebe Christel, aufmerksam gemacht wurde, möchte ich doch gleich zum Thema Souvenirs einen Beitrag leisten.
Eigentlich nicht zu Souvenirs, sondern eher zu Mitbringsel. Wir bringen gerne etwas aus der Landschaft mit, in der wir waren. So finden sich beispielsweise in unserem Garten Steine vom Großglockner, aus Schweden oder auch anderswo aus Europa. Da wir schon viele Male in Venedig waren, und dort in der Regel auf dem vorgelagerten Lido di Venezia wohnen, liegt es hier nahe, Muscheln mitzunehmen. Diese gibt es dort in großer Auswahl, zumal wir zu jeder Jahreszeit, und eben auch in der stürmischen, dort waren. Anfangs haben wir also viele schöne Muscheln zur Freude unserer Kinder und später auch Enkel mitgebracht. Die Freude währte allerdings nur so lange, bis diese, weil nicht abgekocht, unangenehme Gerüche verbreiteten.
So kam es, dass wir beschlossen, Muscheln nicht mehr mitzunehmen (auf das Einsammeln verzichten funktioniert nicht. Sobald wir am Strand schöne Muscheln sehen gehen wir auch schon in die Knie..). Wir haben also Muscheln gesammelt, und an einem geheimen Ort (in einer Mauernische hinter einem Stein in der Mauer) versteckt. Es sind unsere Muscheln und wir tragen die Verantwortung für das Wohlergehen unserer Muscheln. Niemand anderes kann sich darum kümmern, denn nur wir kennen das Versteck. Viele unserer Freunde wissen davon, kennen aber das Versteck nicht. Wir waren vor ein paar Jahren mit Freunden in Venedig, die uns beim Frühstück damit necken wollten: gehen wir gleich mal zusammen zu Euren Muscheln? Ging nicht, wir waren schon vor dem Frühstück dort!
Und so sind wir immer mal wieder in Venedig und schauen, wie es unseren Muscheln geht. Im Laufe der Jahre haben wir inzwischen zwei Mal einige Muscheln austauschen müssen, die schlichtweg zerfallen waren.
Und langsam wird es wieder Zeit, dass einer von uns beiden sagt: „Du, die Stadtverwaltung von Venedig hat angerufen, wir müssen uns wieder um unsere Muscheln kümmern.“ Dann dauert es nicht mehr lange, und dann werden wir zum zwanzigsten Mal danach schauen.
Ein Souvenir von Venedig haben wir noch nie mitgebracht, und die Muscheln der ersten Generationen haben inzwischen unsere Enkel in unseren Teich geworfen, weil sie schließlich ins Wasser gehören.
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Hallo Christel,
habe wieder mit viel Freude deinen Blogg gelesen.
Habe heute Zeit, weil wir in Südengland einen Dauerregentag mir
anderen Aktionen zu füllen versuchen. Da fällt Weitersegeln aus.
Ja ja, die Souvenirs. Müsste gerade an den so typischen schwarzbunten Keramik-
Hahn aus Portugal denken. Was aus ihm wohl geworden ist??? Wahrscheinlich bei unseren Umzügen irgendwann Mal wegrationiert. Aber bei uns gibt es das sogenannte
KaDeDi ( Kaufhaus der Diakonie) da habe ich schon einiges abgegeben. Nicht nur , als das Haus von Schwiegermutter leergeräumt werden müsste. Auch selber wieder nach
unnützen Kleinigkeiten schauen macht dort viel Spass.
Aber hier in England haben die sogenannten Charity Shops Tradition. Man findet sie überall,ob von Oxfam, RedCross oder Cancer foundation. Eine tolle Sache. Oft gibt es auch eine Coffeecorner und immer eine freundliche Dame, die fragt wo man herkommt. Und das wird alles ehrenamtlich betreut. Da können wir uns eine Scheibe von abschneiden. Aber halt…….in Dinslaken gibt es nun den KostNixLaden……nur die blaue Schüssel mit Minimacke meiner Mutter steht dort immer noch im Schaufenster. Sollte ich sie wieder abholen???
Liebe Grüße
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Verschluckt beim Frühstück. Auf Facebook inseriert ein italienisches Luxus-Label ein weisse Damen-T-Shirt mit Peanuts-Motiv für 285 Euro oder waren es 385? Ich seh mir das nicht noch mal an.
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Gerade musste ich innerlich lachen, als ich das mit der kaputten Rotweinflasche auf Zettelskrom las.
Man schrieb das Jahr 1986. Unser 2. Urlaub. Eine Busreise nach Cattolica – in München mussten wir umsteigen. Eine Woche Urlaub bei schlechtem Wetter. In einem Laden entdeckten wir einen sehr dicken, entspannten Porzellanbuddha weiß, nur der Kopf, die Hände und der Bauch waren golden. Er musste mit (in einer Sporttasche). Er wurde während der Fahrt sehr behütet. Beim Umsteigen in München stellte ich die Tasche auf den Koffer, damit sie nicht schmutzig wird und dann… weiß nicht wie… fiel sie runter … gefühlt bestand der Buddha aus tausend Scherben 😔. Zuhause haben wir ihn dann in der Garage bei meiner Mutter zusammengeklebt. Er durfte dann bei ihr auf einem Hochschrank in ihrem Bad (da sah man dann die Klebestellen nicht) die Aussicht genießen 😉.
Im Laufe der Zeit hab ich dann festgestellt, dass Souvenirs kitschig sind und im Urlaubsort bleiben sollen, da man mit dem Kauf dieser das Urlaubsfeeling nicht mit heimbringen kann😔😉.
LG Geogine
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Ja, die Souvenirs…. Gedankenstützen an vergangene Zeiten wo einem die ein oder andere Episode einfällt.
Oder auch Postkarten, welche meine Mutter aufbewahrte. Nach ihrem Tod habe ich Postkarten, verschickt aus Mallorca, das ehemalige Jugoslawien, Österreich, Holland oder auch aus Wuppertal (hier war ich 1974 stationiert) gefunden.
Ja, die Souvenirs
…….. Danke Christel für deinen Beitrag… es ist immer was dabei.
Lg Harald
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