Fundsache: Was ich dir wünsche

Im „Zettelskrom“ habe ich diese Wunsch-Liste entdeckt, geschrieben als das Patenkind 18 wurde. Inzwischen denke ich: der Anlass, das Datum, das Alter – ist das alles nicht völlig egal? Wie lang sähe so eine Liste meiner über 90jährigen Tante aus? Gibt es eine Hierarchie erfüllter – und eben auch unerfüllter – Wünsche im Rückblick auf ein Leben?

  • Immer Gummistiefel und ein feines Kleid in Koffer oder Schrank.
  • Ein Päckchen Pflaster und Aufmerksamkeit andere zu trösten.
  • Bilder im Kopf von überstandenen Schwierigkeiten und plötzlichem Glück.
  • Die Gabe zu Lach-Anfällen über Kleinigkeiten.
  • Einen Menschen, der auf eine Bitte oder Nachricht reagiert.
  • Freie Hände zu greifen oder zu schenken.
  • Eine warme Decke für dich selbst.
  • Den Geschmack des Guten auf der Zunge, aufregend fremd oder tröstlich vertraut.
  • Schuhe für bergige Strecken und auch ein Paar zum Tanzen.
  • Flüstern, Singen, Schreien, um gehört zu werden von anderen.
  • Die eigenen Atemzüge als Lebenszeichen zu schätzen und die Ruhe dazwischen.
  • Immer genug Wörter für den Versuch, einen Moment Wirklichkeit zu fassen.
  • Mut, der Fantasie nachzulaufen und einzelne Ideen zu fangen.
  • Offene Ohren mit Filtern für das, was dir egal sein kann.
  • Eine Kiste, um Bedenken einzupacken und loszugehen.
  • Den offenen Blick zwischen Buchdeckel, hinter Türen und um die Ecken.
  • Die Kraft, nach jedem Stolpern wieder aufzustehen.
  • Einen wachsenden Stapel Erinnerungen, um weiter und näher sehen zu können.

Nicht gemeint habe ich solche Wünsche wie den, einmal Karneval im Funkemariechen-Kostüm auf einer Bühne durch die Luft gewirbelt zu werden und sicher zu landen. Oder unfallfrei über eine Eisfläche zu gleiten, was heute nur noch mit einem Kunststoff-Pinguin zum Festhalten funktionieren könnte (dazu passt Ziffer 4). Da bleibt nur ein Achselzucken beim Blick zurück auf die eigene Kindheit und die Hoffnung, dass möglichst viele Kinder heute so etwas unfallfrei erleben können. Wenn es denn ihre eigenen Wünsche sind und nicht die anderer.

Ich fürchte ohnehin, meine Wünsche und damit meine Erwartungen ans Leben sehen morgen schon wieder anders aus als heute oder gestern oder übermorgen. Auch „Querschlägern“ wie Missverständnissen, Wut, Empörung und Traurigkeit lässt sich nicht immer ausweichen. Alles kann eben passieren an 365 Tagen im Jahr.          CB                                                                

4 Kommentare zu „Fundsache: Was ich dir wünsche

  1. Wünsche habe ich nicht gehabt, für mich standen eher Ziele im Vordergrund.
    Ausnahmen hingegen waren meine Gesundheit und die Gesundheit meiner Nächsten.
    Bisher hat’s funktioniert und ich hoffe doch in Zukunft auch.

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  2. Ich habe zwei Kartensets mit Wünschen und Impulsen für den Tag, aus denen ich jeden Tag jeweils eine ziehe. Sie haben für mich eine ähnliche Funktion wie deine „Wunschsache“. An manchen Tagen lege ich die Karten einfach wieder in den Stapel zurück. An anderen Tagen sind sie mir Ansporn für den Tag. Warum ich deine Wunschsache mit meinen Karten vergleiche, ist das, was sie auslösen: Sie sind in irgendeiner Weise Lebenshilfe. Die Hauptsache passiert im Kopf. Danke für deine Impulse. josch

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