Die ersten kritischen Wochen nach dem Schlaganfall sind vorbei, das alte Jahr auch. Dessen letzter Monat mit Stroke Unit, Intensivstation, der Zeit mit Covid und den ersten Tagen in der ambulanten neurologischen Reha, zu der mich der Fahrdienst ans andere Ende der Stadt bringt. Auf Vergleiche mit den anderen im Trainingszeug bemühe ich mich zu verzichten. Im Alltag zuhause flippe ich gelegentlich aus, alleine im Kampf mit dem Öffnen einer Dose oder nasser Wäsche, viel schlimmer, wenn mein Mann zur Angriffsfläche wird. (Warum fällt mir gerade der Film „Systemsprenger“ ein als würde ich üben für die Titelrolle?)
Jetzt aber öffnen sich für alle die noch leeren Kalender 2024 und werden hoffentlich gefüllt mit glücklichen Momenten, optimistischen Gesundheits-Aussichten, überraschenden Herausforderungen, die bei aller Skepsis und Anstrengung in Zufriedenheit münden. Das alles in einer Welt, die mehr gelassene, versöhnliche und friedlichere Zeiten sehen wird als 2023. Das wünsche ich uns allen – und bin dankbar fürs Lesen meines „Zettelskroms“ und die Reaktionen online und persönlich.
Nun aber zu einigen Momenten des Glücks, die ich zu teilen versprochen habe:
Haarwäsche
Am dritten Tag auf der Intensivstation fragt ein Pfleger, was ich von einer Haarwäsche hielte. Ich fürchte Wasserschlachten im Bett. Er spricht davon, noch zur Mikrowelle zu müssen und kommt zurück mit einem angenehm warmen Plastikteil, das er mir wie eine altmodische weite Badekappe auf den Kopf stülpt. Darin eine geheimnisvolle Flüssigkeit, die er von außen in meine Kopfhaut massiert– ein tolles Gefühl von Luxus im Unterschied zu den raschen Handgriffen sonst. Danach Kämmen und angenehmer Duft, ich fühle mich wie neu. Erfahre, dass die Haube aus der Covid-Zeit stammt und für die Schwerkranken gedacht war, die lange beatmet wurden.
Freundlichkeit
Allein im „Isolierzimmer“ wegen Covid kommt vermummtes Personal mir nur für notwendige Aktionen nahe. Wie Sonnenstrahlen wärmt da das Lächeln derjenigen, die im Türrahmen stoppen und nach meinen Essenswünschen fragen. Es kostet nichts. Und ich freue mich über ein Brötchen, das aufgeschnitten ist, und wenn mir gelingt, den Joghurt allein zu öffnen. Nicht zu vergessen der aus dem Irak stammende Pfleger und seine geduldige Unterstützung am Waschbecken – als hätten wir alle Zeit der Welt. Die Menschen vom „Fahrdienst“, die mich zum MRT schieben und daneben in den Wartezonen der Gänge diejenigen trösten, die noch abzuholen sind.
Spiegel-Therapie
Ich lerne derzeit eine Vielzahl von Behandlungsmethoden in der Reha kennen. Dazu die Herausforderungen im Alltag. Verblüffend ist die Spiegel-Therapie – die ich dank Weihnachtsgeschenks inzwischen auch zuhause anwenden kann. Ein Zaubertrick: Der gelähmte Arm ist nicht zu sehen, der gesunde Arm bewegt sich und wird durch die Spiegelung als betroffener Arm wahrgenommen. Das soll bestimmte Hirnregionen aktivieren und Einfluss auf die Bewegungsprogrammierung haben.
Spannend. Über den ersten Tag des neuen Jahres hinaus. CB




















